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„An einem Orte der Mancha, an dessen Namen ich mich nicht erinnern will, …“ – so oder so ähnlich könnte man über Brazatortas sprechen, diesem Ort irgendwo zwischen Puertollano und Fuencaliente mitten in der Weite der Mancha. Zwar war das von verbrannter Erde umrahmte Dorf keines, durch das Don Quijote einst gewandert sein soll, trotzdem erwartet man jeden Moment den spitzbärtigen Ritter mit Esel und seinen besten Freund Sancho Panza anzutreffen. Doch weder ihm, noch anderen Menschen begegnet man in den schmalen Straßen zwischen den kleinen Häusern des abgelegenen Dorfes. Viele Fenster sind verrammelt, verblichene Schilder suchen mit letzter Kraft nach denjenigen, die Brazatortas wieder Leben einhauchen könnten. Denn ähnlich wie in Villanueva del Campillo schaffen es in Brazatortas immer weniger Leute sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Versuch: Stadtflucht statt Landflucht

Groß war der Ort in der Nähe des Tals Valle de Alcudia nie, doch seit Jahren werden die Nachbarn immer weniger mit denen man ein Pläuschchen halten könnte. Zu viele mussten aufgrund von fehlenden Perspektiven in die größeren Städte des Landes übersiedeln. Längst wirft die Landwirtschaft nicht mehr genug ab und auch der einst größte Arbeitgeber der Region, der Petrochemie-Industriekomplex Repsol in Puertollano, hat die Anzahl seiner Mitarbeiter radikal reduziert. Der Hoffnungsschimmer, der Brazatortas bleibt, ist der der meisten kleinen Dörfer im verlassenen Inland Spaniens: Tourismus. Bei knapp 1000 Einwohnern bietet der Ort eine überraschend gute touristische Infrastruktur. Neben Schildern, die auf interessante Örtlichkeiten in der Umgebung hinweisen, gibt es hier Restaurants und Unterkünfte, die einige ruhesuchende Städter aufnehmen können. Eine ganze Industrie hat sich in Spanien um den Wunsch der getriebenen Einwohner der Metropolen gebildet und versucht das eigentliche, landesweite Phänomen der Landflucht in die zumindest vorübergehende Stadtflucht umzukehren. 

Da, wo es keine Bodenschätze oder angesiedelte Wirtschaft gibt, bleibt die Schönheit der Landschaft, die Gastfreundschaft der Menschen und das gute Essen. In Brazatortas sind das die weichen Hügel mit den gelben Wiesen auf denen Schafe grasen, die Hirsche, die sich im Herbst zur Brunft einfinden und mit den ungewöhnlichsten Tönen versuchen ein Weibchen für sich zu überzeugen oder die endlose Weite des Himmels, der dank der wenigen Lichtverschmutzung in der Nacht zu atemberaubenden Sternenbeobachtungen einlädt. Brazatortas schmeckt nach unaufgeregten Tagen, sonntäglichen Churros aus dem mobilen Wagen und Migas: ein in La Mancha typisches Bauerngericht, das aus mit Knoblauch geröstetem Weißbrot besteht und mit Sardellen, Chorizo, Spiegelei, Weintrauben und Melone gereicht wird.

Es ist das einfache, manche würden sagen das „authentische“ Leben mit dem Orte wie Brazatortas für sich begeistern können. Das hat nicht nur die spanische Regierung verstanden, die die touristische Infrastruktur in den ländlichen Gebieten mit Geldern fördert, Hinweisschilder aufstellt und kleine Informationszentren bauen lässt. Auch die Buchungsplattform „Escapada Rural“ hat das Potenzial des Tourismus für die schrumpfenden Dörfer in der Einöde erkannt. Über die auf nationaler Ebene weit bekannte Internetseite kann man aus über 18000 Appartements und Häusern in Spanien die perfekte Unterkunft umgeben von Natur suchen. Ob Brazatortas dank dieser Initiativen auf langer Sicht wieder mehr Einwohner für sich gewinnen kann, wird sich zeigen. Bis dahin heißt es abwarten und Tee trinken in der einzigen Bar des kleinen Dorfes.

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